Wie alles begann…

10. November 2014:
Heute ist es soweit. Auf zur Punktion.
9 Tage hab ich gespritzt, Follikel „gezüchtet“, Medikamente genommen.
Drei Eizellen. Magere Ausbeute, aber gute Qualität. Wir fahren nach Hause und hoffen das Beste.

13. November 2014:
Nachdem ich die letzten Tage dreimal mit der Praxis telefoniert habe ist es heute soweit. Zwei Eizellen haben sich prächtig entwickelt, einmal A- und einmal B-Qualität. Ich bin unendlich nervös.
Die Dame aus dem Labor kommt und zeigt mir ein Bild. Ich freue mich riesig und scherze: „Die hier sieht aus wie der Papa!“ Wir lachen und die Stimmung ist ein bisschen lockerer.
Ich bin allein vor dem OP-Saal. Gleich geht die Tür auf und der Arzt bittet mich hinein. In meinem Bauch kribbelt alles.

Eine Stunde später:
Ich liege im Überwachungszimmer. Mit angewinkelten Beinen. Sie zittern und ziehen, aber ich halte durch.
Da drin seid ihr, irgendwo unter der Hand auf meinem Bauch. Ganz leise flüstere ich, dass ich gut auf euch aufpassen werde.

Zwei Stunden später:
Ich darf mich anziehen und nach Hause fahren. Mein Mann wartet zu Hause. Ich bekomme noch die letzten Anweisungen, dann gehe ich wie auf rohen Eiern zu meinem Auto. Ich weiß, dass ihr nicht rausfallen könnt und doch hab ich das Gefühl, euch verlieren zu können.

27.11.2014
14 Tage nach dem Einsetzen folgt der Bluttest. Ich bin unendlich nervös. Die letzten 14 Tage waren kaum auszuhalten. Ich gebe das Blut ab, fahre nach Hause und warte zusammen mit meinem Mann auf 12 Uhr, denn da soll ich anrufen.

12 Uhr:
Ich wähle die Nummer der Praxis und zittere vor Nervosität. Ich werde mit dem Arzt verbunden. Dann die Antwort: „Es tut mir leid, Frau G., Ihr Wert ist viel zu niedrig, so dass wir eine intakte Schwangerschaft ausschließen müssen.“
Ich nicke, schlucke, höre leise die Anweisungen die ich die nächsten Tage befolgen soll und lege auf. Nicht schwanger. Ich bin nicht schwanger. Ich kümmere mich auf die Couch und heule…

08. Dezember 2014
Nachdem ich nach weiteren 14 Tagen immernoch auf die Blutung warte, rufe ich in der Praxis an. Die Dame am Telefon stockt kurz und meint dann, wir sollten den HCG-Wert nochmal überprüfen. Ich meine, mich verhört zu haben, doch sie sagt ich solle doch nach der Arbeit vorbei kommen. Der Tag ist für mich gelaufen und ich verschwinde eine Stunde eher von der Arbeit.
In der Praxis angekommen ist auch schon der Arzt bei mir und nimmt mir selbst das nötige Blut ab. „Ja, vielleicht haben Sie doch Glück, vielleicht ist doch jemand geblieben?!“ Er lacht.
Mir ist warm, schlecht, kalt, ich bin verwirrt. Nicht schwanger. Doch schwanger? Ich laufe aus der Praxis, schreibe meiner besten Freundin und bin wenige Minuten später schon unterwegs zu ihr. Sie springt auf mich zu und freut sich, sicher dass ich nun doch schwanger bin. Ich gehe ins Bad und mache einen Pipi-Test. Ganz ruhig lege ich den Test aufs Waschbecken, zieh die Hose hoch und dann wird mir plötzlich heiß und schwindlig zugleich. Während ich mir die Hände wasche erscheinen zwei dunkle Striche. Zwei. Zwei!!!!!
Ich laufe mit dem Test aus dem Bad und wedele damit vor den Augen meiner Freundin umher. Wir lachen, quietschen, schreien. Und ich zittere.
Sie ist sich sicher: schwanger!
Ich kann es nicht glauben, google mir die Finger wund ob es Rest-HCG von der ICSI sein könnte, doch das scheint unmöglich. Ich kanns nicht glauben!

Wenige Stunden später hole ich meinen Mann von der Arbeit. Er kann nicht glauben, was ich ihm erzähle und wir beschließen erstmal auf das Ergebnis des Bluttests zu warten.

09. Dezember 2014:
Ich soll um 15 Uhr anrufen. 15 Uhr! Wie soll ein Mensch das nur aushalten?!
Bereits um 14:30 Uhr schickt meine Kollegin mich zum Telefonieren.
Ich gehe in die Umkleide, vergewissere mich, dass niemand da ist und wähle die Nummer. Ich erkenne die Stimme am Telefon und sie japst: „Frau G.! Wissen Sie es noch gar nicht?“ Mir wird heiß.
„Der Arzt hat gerade ein schwieriges Gespräch und Sie wissen, ich darf eigentlich nichts sagen, aber wenn Sie heute Abend zum Ultraschall kommen würden?! Der Wert liegt bei 1500.“ Mir wird noch heißer. Ich lache, bejahe und lege auf. Mir ist heiß. Und kalt. Mein Herz pocht unfassbar laut. Mir ist schlecht. Mein Kopf brummt. Ich gehe ins Klo, lege meine Hände gegen die Fliesen und schlage meinen Kopf darauf.
ICH BIN SCHWANGER!!!!
Ich weiß nicht wie viele Minuten ich so stehe, lache und heule, schwitze und friere. Ich schreibe meinem Mann und meiner besten Freundin. Sie antwortet prompt. Mein Mann arbeitet.
Dann fällt es mir ein. Ich lege die Hand auf meinen Bauch und sage: „Hallo, du da drin!“

Von der Arbeit aus fahre ich sofort wieder zur Praxis. Ich sitze auf dem Stuhl, schaue auf den Bildschirm und da bist du. Eigentlich kaum erkennbar, ein winzig kleiner weißer Punkt in einem schwarzen Feld. Der Arzt lacht. Ich lache. Und heule. Und da geht’s los:
Eigentlich war ich nicht schwanger, aber Philipp hat sich einfach nur gut versteckt.