Der Tag vor der Geburt…

19. April 2015, 16:30 Uhr
Nachdem ich mit meiner besten Freundin noch beim Frühstücken und Nägel machen war, fahre ich mit deinem Papa ins Krankenhaus.
Mir ist nicht wohl und ich spüre dich heute kaum, außerdem muss ich ständig aufs Klo. Beim letzten Mal war da was schleimiges… und ein bisschen Blut. Ich habe Angst.

16:50 Uhr:
Wir sind auf der Gynäkologie. Ich schildere meine Situation und werde untersucht. Der Gesichtsausdruck der Ärztin gefällt mir nicht. Diese selbst übrigens auch nicht, sie ist mir unsympathisch. Noch viel mehr, als sie schließlich sagt: „Frau G., Sie haben einen Blasensprung. Das Kind hat wenig Fruchtwasser. Sie müssen sofort liegen bleiben, dürfen nicht mehr aufstehen und wir müssen versuchen die Schwangerschaft möglichst lange zu halten.“
Dein Papa wird käseweiß. Und mir wird schlecht. Ich habe gestern Nacht immer mal Tröpfchen verloren, aber nicht im entferntesten gedacht, dass es Fruchtwasser sein könnte. Ich habe tierische Angst dich zu verlieren. Ich weine…

22 Uhr:
Ich liege im Wehenzimmer. „Weil mich hier die Hebammen besser im Blick haben.“
Deinen Papa hab ich nach Hause geschickt.
Meine beste Freundin und meine Mama sind informiert.
Ich bekomme Wehenhemmer und Antibiotika. Ich habe einen Blasenkatheter. Gleich wird mir nochmal Blut abgenommen um die Entzündungswerte zu kontrollieren. Ein CTG wird nochmals geschrieben.
Der Kinderarzt und Neonatologe Dr. Batzlsperger war bei mir. Er arbeitet auf der Frühchenstation. Er hat mir erzählt, was wäre wenn du nun zur Welt kommst und sagt, deine Chancen stehen gut. Er redet lange mit mir, empfiehlt mir hochdosiertes Magnesium, das gut für dein Köpfchen sein soll, bei mir allerdings Atemnot auslösen könnte. Ich vertraue ihm und für mich steht fest: Alles, was DIR hilft, wird getan.

23 Uhr:
Vorerst Entwarnung. Es geht dir gut. Noch. Meine Gedanken kreisen. Werden wir das hier schaffen? Wirst du es schaffen? Werden wir noch einige Wochen schaffen? Ich hab solche Angst.

Nächster Morgen:
Es wird wieder Blut abgenommen. Gegen 10 Uhr Entwarnung, alles so einigermaßen im grünen Bereich, ich darf frühstücken.
Ich schalte den Fernseher ein und suche nach Musik. Nach weniger Zeit kommt „Und wenn ich für dich fliegen muss…“
Der Text spricht mir aus der Seele. Ich suche ihn am Smartphone und höre ihn wieder und wieder und wieder. Und heule mir die Augen aus dem Kopf. Aber fest steht: DAS wird unser Motto.