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Erinnerungen und die Verarbeitung

Ihr Lieben!

Viele von euch sind selbst Eltern von Frühgeborenen oder kranken Kindern. Und wenn ich ehrlich bin, hab ich die Seite in aller erster Linie für/wegen euch ins Leben gerufen. Ich bekam so viel Zuspruch, Fragen und Erzählungen von euch, dass ich wusste, ihr braucht das. Mittlerweile seid ihr bunt gefächert: Alleinerziehend, klassische Familien, sicherlich auch Patchwork-Familien und vielleicht sogar „Regenbogen-Familien“ (Ich mag das Wort eigentlich nicht, soll aber – zur Erklärung – eine Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern bedeuten.). Ihr wohnt in unserer Nähe und kennt uns, oder ihr wohnt ganz weit weg. Ihr drückt Gefällt mir und kommentiert wie die Irren, dankeschön dafür!

 

Sicher könnt ihr auch alle nachempfinden, wie das erste Jahr mit dem eigenen Kind läuft. Und wie dann das zweite läuft. Man erinnert sich. Oder? Also mir geht das ständig so, seit Philipp 1 Jahr alt geworden ist. Da sind Gedanken und Erinnerungen wie:

  • Letztes Jahr um die Zeit, da war ich noch schwanger.
  • Letztes Jahr war ich schon im OP.
  • Heute vor einem Jahr hatte ich dich das erste Mal auf der Brust liegen.
  • Vor genau einem Jahr hast du die Augen geöffnet. ❤
  • Letztes Jahr um diese Zeit wärst du beinahe gestorben…
  • Das war die Zeit, als es dir endlich wieder besser ging.
  • Zu der Zeit waren wir letztes Jahr in der anderen Klinik.
  • An diesem Tag letztes Jahr sind wir zurück verlegt worden.
  • Vor einem Jahr wollten wir nach Hause… und dann gings nach München.

Und genau da bin ich gerade in meiner Erinnerung. München. Anfang September 2015 waren wir sicher, wir gehen nach Hause. Jetzt, in wenigen Tagen, noch einmal impfen und zack, nach Hause!

Und dann? Dann kam erneut ein Rückfall, es ging dir wieder schlecht, es war wieder nicht so, wie es hätte sein sollen… Die Ärzte baten uns zum Gespräch. Zu dritt und mit Unterstützung der Psychologin haben sie uns dann eröffnet, dass sie es für das beste halten, wenn wir nach München gehen und du eine Trachealkanüle bekommst. Für uns ist eine Welt zusammengebrochen. Klirr, klack, schepper, krabumm. Da lagen sie, die Scherben. Der riesige, riesige Scherbenhaufen.

Ich weiß noch, wie wir mit der Psychologin (Unserem Engel! Was bin ich dieser Frau dankbar!! <3) auf dem Spielplatz der Klinik saßen und das Thema durchgegangen sind. Ich hab schließlich einfach unseren Ärzten vertraut und zugestimmt. Auch deinem Papa blieb nichts anderes übrig.

Wenige Tage später waren wir dann schon in München, alles ging ratzfatz. Ich hab mich so verloren gefühlt, so unsicher, so alleine, wobei du da warst und auch dein Papa mitgefahren ist. Ich war so hilflos, so fremd, so verzweifelt…

Auch wenn mich dieser Aufenthalt nochmal unendlich Kraft und Mut gekostet hat (von dem ich übrigens bis heute nicht weiß, woher ich das alles genommen habe), bin ich heute, ein Jahr später, unendlich froh, dass wir uns so entschieden haben bzw. dass unsere Ärzte uns dort hin geschickt haben!

Du hast dich seitdem unfassbar toll entwickelt. Du bist gewachsen, du hast gelernt, gelernt, gelernt. Du bist SO toll! Die Kanüle hat dir Dinge ermöglicht, die du anders nicht gekonnt hättest. Du konntest plötzlich so lange wach sein, spielen, lachen, toben, fetzen… Du lernst fast täglich etwas neues dazu und du machst deine Sache so grandios, dass selbst die Ärzte staunend dastehen, wenn wir Termine haben.

 

Aber trotzdem, trotzdem kommen immer wieder Erinnungen hoch und wollen verarbeitet werden. Und das ist gut so! Nur versteht das leider nicht jeder… Ich schreibe. Ich schreibe, weil es euch interessiert und ich schreibe, weil es mir gut tut. Verdammt gut. Wenn ich schreibe, sortiere ich meine Gedanken, um sie eben aufzuschreiben. Und das wiederrum hilft mir, sie zu verarbeiten.

Manche Erinnerungen sind gut, manche schlecht. Manche tun weh und bringen mich (nochmal) zum Weinen, andere tun gut und bringen mich (wieder) zum Lachen! Manche sind völlig wertlos, manche sind verschwunden, manche sind vielleicht schon verarbeitet und manche verstecken sich noch irgendwo ganz unten. Aber sie sind da, sie werden immer da sein, aber sie werden mit der Zeit verblassen.

Ich weiß, dass es völlig ok ist, dass das so ist. Manche verstehen das nicht, das ist auch ok. Jeder ist anders, jeder hat seine Art Dinge zu bewältigen und jeder sollte akzeptieren, dass nicht sein Weg der richtige für alle ist. Aber: Euer Weg ist richtig für euch. Und nur das zählt! Geht euren Weg, wie ihr ihn gehen wollt. Schaut euch um, beratschlagt euch, findet Kompromisse, seht zurück und nach vorne, und dann geht. Egal was andere denken und andere sagen, hört auf euer Herz und geht. ❤

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